DigitaleStrategie

Zur Diskussion um eine VHS-Serviceagentur

Joachim hat auf seinem Blog wieder den großen Wurf versucht. Es geht immer um die Frage: Wie kommen wir ruckartig und schnell weiter mit den VHSen als Produktivkraft, nicht als fußkranken Bremsern, in der notwendigen „digitalen Transformation“ unserer Mainstream-Gesellschaft? Nicht nur in den Metropolen, sondern in den Regionen? Nicht nur bei den Jungen, sonder auch bei allen Älteren? Nicht nur bei den digital Vorpreschenden, sondern bei den zögerlichen „Late Adoptern“? Hier meine sehr schnell hingeworfene Antwort. Ja und Nein.

„Und doch wissen fast alle: an digitalen Konzepten führt kein Weg vorbei.“
Irgendwie schon, aber warum genau? Das müssen wir noch viel schärfer denken. Letztlich brauchen wir klassisches Businessmodell-Design. Das könnte ein Job der Agentur sein.

Das stimmt: „Ein sehr großer Anteil von Volkshochschulen ist der Herausforderung nicht gewachsen. Da nützen auch keine markigen Papiere. Es braucht massive Unterstützung und zwar jetzt. Wenn jetzt nicht der nächste Schritt getan wird, wird sich ein digitaler Graben durch die Volkshochschulen ziehen. Das schadet der Marke VHS fundamental.“

Der Moment ist jetzt. Die Zeit ist knapp. Wie kommen wir eine Ebene höher? Was ich richtig finde: Eine eigens organisierte Serviceagentur, als Spin-off der Verbände, die die Digitale Transformation unterstützt und anfeuert. Die Standards entwickelt und Impulse gibt für die Interne Entwicklung, für DVB- und ELW-Angebote. Aber eben als Serviceagentur. Was ich aus vielen Gründen für falsch halte: Eine Firma, die eigene Online-Lernangebote entwickelt und vermarktet.

Die Agentur wäre etwas ganz anderes:
– Eine agile Organisation, deren „Kunden“ die regionalen VHSen vor Ort und – davon getrennt – die Dozierenden sind.
– Müsste anders finanziert werden als von den VHS (über zentrale Gelder der Digitalisierungsoffensive)
– Müsste Dienstleistungen für die einzelnen VHSen erbringen und sich selbst am Erfolg messen lassen (wieviele VHSen-als-Kunden nehmen das im Jahr in Anspruch)?
– Könnte ein agiles und in sich schlüssiges System von Orientierungen, Qualifizierungen und Schulungen erarbeiten, von der Leitungsebene über die FachbereichsleiterInnnen bis zu den DozentInnen: Hilfe zur Selbsthilfe. Man muss SEHR aufpassen, dass daraus nicht wieder eine dieser sinnlosen, selbstzweckhaften, sich selbst aufrechterhaltenden Wasserkopforganisationen wird.
– Könnte künftige Kurse als „Halbzeug“ entwickeln, das jeweils regional mit guten & geeigneten DozentInnen vervollständigt wird. Curricula, evtl. einzelne zentrale Netz-Veranstaltungen, ein Wiki. KEINE Fertiglösungen. KEIN E-Learning.
– Könnte vor allem eine glaubhafte und neuartige Zertifizierung für digitale Kompetenzen entwickeln, zusammen mit dem Raster/Framework.

Finanziert werden müsste die Agentur aus den (hoffentlich kommenden) Geldern für das große gesellschaftliche Projekt „Digitalisierung <=> Erwachsenenbildung“. NICHT durch Gebühren von Endkunden.

Folgendes halte ich hingegen für einen ganz falschen Holzweg: „Als einen Schwerpunkt sehe ich die Entwicklung einer provisionsorientierten Vertriebslösung. Das Team entwickelt neue Online-Kurse die allen Volkshochschulen angeboten werden. Dabei werden die Produktschritte von der Entwicklung bis zum Vertrieb durch ein Team verantwortet.“ Das können wir nicht, und ich halte es auch nicht für wünschenswert.

Toolentwicklung: Ist eigentlich eine andere Baustelle.
„Wir brauchen eine verlässliche Weiterentwicklung bestehender Tools. Sei es die App, die dahinterliegende Datenbank aller VHS-Kurse oder die vhs.cloud.“ Ja, das muss irgendwie verstetigt werden, interessiert mich jetzt aber nicht so.

Tool-Erprobung: Ja, eine Art „Toolkit“ zu erstellen, zu testen und laufend zu aktualisieren, könnte eine Aufgabe der Agentur sein.

MOOCs, Videos: Keine eigenen MOOCs entwickeln (oder nur sehr am Rand). Die müssen anders finanziert werden. Blended Kurse mit MOOCBars sind etwas anderes, da könnte die Agentur einen Teil abdecken. Erklärvideos drehen: Das würde ich vermeiden.

OER: Wieso sollten die VHSen prinzipiell OER machen? Was wäre die Motivation der VHSen? Außer (a) es fördert objektiv das Geschäft oder (b) es gibt staatliche Förderung konkret für OER, als Teil einer „Digitalen Volksbildung“.

Startup-DNA, Risikokapital: Wie gesagt, keinen kommerziellen Anbieter schaffen. Die agile Philosophie wäre allerdings dringend nötig (auch in den VHSen selbst, übrigens). Mein anspruchsvolles Lieblingsmodell, de facto sicher kaum umzusetzen in den vorhandenen Strutkturen: Man könnte die Serviceagentur selbst als Bündel von Startup-Projekten konzipieren, nach dem Vorbild von http://www.ycombinator.com/atyc/
Die müssten dann gegenüber einer zentralen Bewertungsstelle (die entspricht quasi den Risikokapitalgebern) im 3-Monats-Abstand ihre Ergebnisse vorlegen. Jedes Jahr werden von 9 Versuchen nur 3 weitergefördert, die Leute aus den anderen 6 Projekten dann den 3 Teams zugeschlagen, die in die nächste Entwicklungsstufe gehen.

Agile Struktur: Im Prinzip ja, aber dazu braucht man sehr gute Leute. Und zwar viele, wenn sie das alles abdecken sollen. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Wie diese Leute wiederum so schulen, dass alle auf derselben Basis starten? Wir brauchen ein „Bootstrapping“-Modell, das klein anfängt. (Bootstrapping: Sich selbst am Schopf bzw. hier: den Stiefelschlaufen aus dem Sumpf ziehen.) Es muss ein Modell geben, wo diese Agentur mit einem Kernteam startet (5 – 7 Leute) und sich dann jährlich nur dann erweitert, wenn es nachweisbare Erfolge gibt. Keine große Gründung von Anfang an!

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Ein Kommentar zu „Zur Diskussion um eine VHS-Serviceagentur

  1. Wäre die sehr berechtigte Forderung: – „Müsste Dienstleistungen für die einzelnen VHSen erbringen und sich selbst am Erfolg messen lassen (wieviele VHSen-als-Kunden nehmen das im Jahr in Anspruch)?“ – nicht gerade über eine kommerziell arbeitende Service Agentur umsetzbar?. Wenn die Produkte der Service Agentur nach einer gewissen Anschubphase nicht kostendeckend nachgefragt werden, dann ist eben der Erfolg und damit die Berechtigung der eigenen Existenz bzw. die einzelner Produkte nicht da – es sei denn es gibt zusätzliche Gelder für die Entwicklung von Angeboten, die die Geldgeber für wichtig halten (öffentliche Hand, Stiftungen etc.) . Ich bin skeptisch, ob eine „zentrale Bewertungsstelle“ wirklich die bessere Steuerung bietet und verhindert, „dass daraus nicht wieder eine dieser sinnlosen, selbstzweckhaften, sich selbst aufrechterhaltenden Wasserkopforganisationen wird.“

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