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Statt Ich-will-deutsch-lernen: Der neue „A1 Deutschkurs“

Ich kann die Seite http://iwdl.de gar nicht benutzen, weil die Seite Flash verlangt. („Ich will deutsch lernen“, die prämierte Sprachlernseite der VHS.) Auf dem Desktop-PC habe ich keine Admin-Rechte, und – noch viel wichtiger – mein Android-Browser auf dem Smartphone (Chrome) unterstützt das nicht. Ganz grundsätzlich gesprochen: Flash ist over, aus, vorbei. Die Technologie von gestern. Das müsste auf HTML5 umgestellt werden. So ist die Seite nicht benutzbar. Die leichtgewichtige App dazu, die jetzt „Einstieg deutsch“ heißt (aber IWDL, wenn man sie heruntergeladen hat) scheint brauchbar.

Update: Das hat sich erledigt, scheint es. Wie ich soeben dem vhs dis.kurs-Magazin entnehme, wird IWDL „ab Herbst 2017“, also praktisch jetzt, ersetzt. Künftig heißt es „A1 Deutschkurs“, zu dem später noch ein „B2 Deutschkurs kommen wird“. Der bekommt eine vollgültige Mobil-App und hat inhaltlich mehr Berufsbezug.

http://portal-deutsch.de/A1

Was künftig klar besser ist: die Benutzeroberfläche/Navigation und die Gestaltung. Was anscheinend bleibt: Der in meinen Augen immer noch an den Bedürfnissen der Leute zum Teil vorbeigehende didaktische Akzent auf „Schule“ mit Anleitung/Zuweisung/Kontrolle. Schon im IWDL-Kurs war der ganze Rahmen auf die „Führung“ durch Tutoren abgestimmt. Fraglos wollen und brauchen viele Anleitung und Taktung, aber das ist etwas anderes, als die Leute in die unterschwellig immer schon passiv-empfangende Schülerrolle zu versetzen. Diese Leute sind zum Teil im Schlauchbuch über das Mittelmeer gefahren. Es hat wenig Sinn, sie zu infantilisieren.

Der Kurs soll die Lücke ausfüllen, bevor die offiziellen Integrationskurse beginnen. Es geht um Kommunikation, Orientierung und Handlungsfähigkeit (z.B. in Behörden und VHSen, hoffe ich). Blended Learning ist dazu ganz sicher nötig, aber doch nicht, um die Leute mit Lückentexten zu nerven. Das sind mündliche Spracheinheiten in Textform. Wozu?

Diese Leute sollen doch zuerst hören/sprechen lernen, und dann erst (ein bisschen) auf deutsch lesen/schreiben. Aus meiner Sicht müsste so ein Kurs so mündlich wie möglich sein. Oder zumindest drei verschiedene Einstiege bieten: nur-mündlich, mündlich-mit-Basis-Schrift/Text, und vielleicht dann noch klassischen Lehrbuch-Content mit gehobener Text-Kompetenz für Leute, die in einer anderen Sprache einen höheren Schulabschluss haben. Am Ende steht eine „A1 Abschlussprüfung“. Wenn ich das richtig verstehe, ist daskein offiziell gefordertes Zertifikat, sondern dient eher zur Selbstkontrolle und Einstimmung auf die kommenden bürokartischen Integrations- und Sprachprüfungen.  Wenn man sich darauf auch schon vorbereiten kann, ist das sicher gut.

Ich dokumentiere mal die weiteren Erfahrungen: Es gibt eine versteckte „Portalseite“, wenn man über Google sucht, auf der man sich für IWDL anmelden kann: https://www.iwdl.de/cms/lernen/start.html

Und es gibt eine Android-App namens „Einstieg Deutsch“:
https://portal-deutsch.de/lernen/deutsch-lernen/einstieg-deutsch-die-sprachlern-app/ Ich weiß nicht, wie sich das zu IWDL verhält, aber ich lade das jedenfalls mal herunter. Mal sehen. Ok, das ist anscheinend die (oder jedenfalls eine) IWDL-App. „IDWL“ heißt auf dem Phone die heruntergeladene App, die offiziell „Einstieg Deutsch“ heißt.

Wenn das dasselbe ist wie auf der IWDL-Webseite, wäre es ja in Ordnung. Mit QWERTZ-Computern wird wohl außerhalb des Klassenzimmers fast niemand IWDL verwenden. (Aber warum sollte man das selbst in Klassenzimmern machen, statt gleich das Smartphone zu benutzen?) Egal. Ich erzähle hier demnächst, wie sich das als Lerner anfühlt, wenn ich ein bisschen herumprobiert habe.

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8 Kommentare zu „Statt Ich-will-deutsch-lernen: Der neue „A1 Deutschkurs“

  1. Wie Recht Du hast, Martin – ich „predige“ das schon seit Jahren: Flash ist nicht barrierefrei und hat massive Sicherheitslücken, aber leider trotzdem (oder gar deswegen?!) offenbar schwer „totzukriegen“ – fast noch schwerwiegender ist, dass Flash auf mobilen Devices meist nicht (mehr) möglich ist…
    Dabei gibt es gerade mit HTML5 tolle, barrierefreie Möglichkeiten, ohne Flash auszukommen – da hat der dvv leider zu kurz gedacht (oder gar nicht?), als die Seite mit Flash-Inhalten in Auftrag gegeben wurde – Schade, Potential verspielt!
    (Google Chrome als Browser mit integriertem Flash kann eine Notlösung sein)

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    1. das gibts doch nicht? ich meine: wenn man _irgendwas_ für migranten entwickelt, muss das „mobile first“ sein. alles andere kann man im grunde vergessen. hier ist ein bericht über praktische anwendung von IWDL: http://www.nordharz-portal.de/der-computer-hilft-beim-deutsch-lernen/ das klingt ganz gut, aber dann heißt das ja: die frauen sitzen im unterrichtsraum, damit sie mit netbooks (oder chromebooks?) sich durch die anwendung klicken. und sie sagen hinterher, dass der kurs „zu kurz“ war. ein „kurs“, der aus online-inhalten besteht? müsste man da nicht eher den leuten das auf smartphones in die hand drücken und eine art jour fixe einrichten, zu dem kommen kann, wer mag?

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      1. Inzwischen habe ein IWDL-Tutorenhandbuch gefunden. Die App (die auf Anhieb gut aussieht) ist wohl eine sehr leichtgewichtige, userzentrierte Version. Der IWDL-„Kurs“ hat 11.000 Lernobjekte und einen riesigen bürokratischen Kurs-Admin-Überbau. (Wozu??) Man bekommt z.B. Meldungen, dass der „User ID52“ „eine Übung nicht gemacht hat“.

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      2. Inzwischen habe ich wenigstens ein IWDL-Tutorenhandbuch gefunden, über das man einen Einblick bekommt. Die App (die auf Anhieb gut aussieht) ist wohl eine sehr leichtgewichtige, userzentrierte Version. Der IWDL-„Kurs“ hat 11.000 Lernobjekte und einen riesigen bürokratischen Kurs-Admin-Überbau. (Wozu??) Man bekommt z.B. Meldungen, dass der „User ID52“ „eine Übung nicht gemacht hat“.

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    2. Sieh mal oben, den aktualisierten Blogpost. Genau jetzt gerade scheinen sie einen neuen Nachfolgekurs zu starten. Und der hat, sagen sie, eine funktionierende App und ist mobil optimiert. („Smartphone gilt als zentrale Ressource.“) Ich bin gespannt.

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  2. Learning While Doing: Kaum hatte ich mich mit IWDL befasst, habe ich erst gerüchtehalber mündlich und dann konkret im VHS-Magazin gehört, dass das gerade jetzt überholt ist. Deswegen habe ich das oben neu geschrieben. Der alte Text steht unten (durchgestrichen).

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  3. Du kennst den europäischen Referenzrahmen, auf den sich die Niveaustufen beziehen? Er ist deskriptiv und hilft der Selbsteinschätzung. Man könnte sich daraus selbst einen Progressionsplan erstellen. http://www.europaeischer-referenzrahmen.de/
    Was meinst du übrigens mit «mündlich lernen»? Für viele erwachsene Lerner hat die begleitende Verschriftlichung mündlicher Dialoge eine analytische und gedächtnisstützende Funktion. Gerade im Deutschen, weil man sich die Lautabfolge dann recht gut vergegenwärtigen kann. (Lückentexte sind dann wieder was anderes .. ☺)

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  4. Du kennst den europäischen Referenzrahmen, auf den sich die Niveaustufen A bis C beziehen? Er ist deskriptiv und hilft auch der Selbsteinschätzung. Man könnte sich daraus selbst einen Progressionsplan erstellen. http://www.europaeischer-referenzrahmen.de/
    Was meinst du übrigens mit «mündlich lernen»? Für viele erwachsene Lerner hat die begleitende Verschriftlichung mündlicher Dialoge eine analytische und gedächtnisstützende Funktion. Gerade im Deutschen, weil man sich die Lautabfolge dann recht gut vergegenwärtigen kann. (Lückentexte sind wieder was anderes .. ☺)

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